Rhetorik als Kunst
der Vermittlung

Wie gelingt es, so zu reden, dass unsere Mitteilung die Adressaten erreicht und überzeugt? Damit beschäftigt sich die Rhetorik in Theorie und Praxis seit der Antike. Heute sprechen wir allgemeiner von kommunikativen Kompetenzen.

Wir alle können reden. Doch bei näherer Betrachtung haben wir es mit einem hochkomplexen Vorgang zu tun und der hat seine Tücken: Zielsetzung und Kontext (Stress oder Heimspiel?) beeinflussen, wie unsere kommunikativen Instrumente Körper, Stimme, Emotion funktionieren. Genau da setzt die Redeschulung ein. Da das Zusammenspiel dieser Faktoren größtenteils unbewusst abläuft, lernen wir es gezielt zu handhaben. Je besser die interne Koordination funktioniert (z.B. zwischen Motivation, Stimme und Emotion), desto besser gelingt der Transfer unserer Botschaft nach außen. Deshalb spreche ich von einer doppelten Kunst der Vermittlung: Intern zwischen den Bereichen, die den Sprechvorgang betreffen, extern zur Zuhörerschaft. Erstere ist ein wunderbares Lernprojekt, letztere das uns leitende Ziel.

Vortragssaal im Vielbertgebäude der Universität Regensburg. Foto: Wieland Kranich.

Die Rede als Inszenierung

Öffentliche und berufsinterne Redeauftritte sind Selbstinszenierungen. Hinter dem betont lässigen Auftritt, der sich um Eloquenz und prononcierte Sprache nicht schert, verbirgt sich oft ein ebenso auf Wirkung hin eingesetztes Kalkül, wie hinter der präzisen wohlüberlegten Rede, dazwischen liegt ein weites Feld von Optionen. Wir sprechen von rednerischer Performanz. Welch enorme Bedeutung dieser heute zukommt wird deutlich, wenn die Kommunikationsforschung feststellt: »Die Vermutungen, dass eine Person die notwendigen Kompetenzen [für eine Aufgabe] mit sich bringt, wird primär aus ihrer Performanz abgeleitet.«¹ Das kann uns motivieren, die Spielräume zu entdecken, die sich uns bieten und sie in unserem Sinne zu gestalten.

Die Rede als kreativer Prozess

Rhetorische Kreativität umfasst inhaltliche und performative Aspekte. Inhaltlich geht es um den zweckmäßigen und geschickten Aufbau der Argumente und Informationen, sowie um die Fähigkeit einfallsreich und zugleich angemessen zu formulieren. Die performative Kreativität betrifft den natürlichen und variationsreichen körpersprachlichen Ausdruck und die Fähigkeit, situativ reagieren zu können, etwa in Form von Pausen, Strategiewechseln oder spontanen Einfällen. Nicht zuletzt sind eine sinnvolle Emotionspraxis (Empathie, Empörung, Freude) und das Wissen um ihre affektiven Wirkungen wesentliche Elemente der gelungenen Kommunikation.

Literatur

Funken, Christiane, Stoll, Alexander, Hörlin, Sinje: Die Projektdarsteller: Karriere als Inszenierung.
Paradoxien und Geschlechterfallen in der Wissensökonomie. Berlin 2011.

Knape, Joachim: Allgemeine Rhetorik. Stuttgart 2015.

Knape, Joachim, Litschko, Achim (Hrsg.): Kreativität. Kommunikation – Wissenschaft – Künste. Neue Rhetorik 6. Berlin 2013.

Schirren, Thomas: Grundlagenartikel zur Rhetorik in: Ulla Fix, A. Gardt: Handbuch zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 31.1. Berlin, New York 2008.
http://www.rheton.sbg.ac.at/rheton/2018/06/grundlagenartikel-zur-rhetorik-von-thomas-schirren


  1. Funken: 2011. 177-178.

Redeschulung ist ein Werkzeug für Emanzipation und Selbstbestimmung, das uns eigene kreative Potentiale aufschließt.

Was heißt für mich Rhetorik lehren?